Sport
Eismeister Zaugg

Wenn Fribourg-Gottéron jetzt nicht Meister wird – dann nie

Fribourg feiert den Treffer zum 2-3 mit seinen Fans im dritten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Mittwoch, 22. April 2026, in ...
Die Gäste jubeln in Davos: Fribourg geht in der Finalserie wieder in Führung.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Wenn Gottéron jetzt nicht Meister wird – dann nie

Gottéron gewinnt in der Verlängerung eines der dramatischsten Finalspiele unserer Playoff-Geschichte in Davos. Auf dem Zauberberg. Wenn Gottéron jetzt nicht Meister wird, dann nie mehr.
23.04.2026, 11:0123.04.2026, 11:13

Zauberberg? Ja, in der Weltliteratur gilt Davos als der Ort auf dem Zauberberg. Der gleichnamige vielschichtige Roman von Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann spielt in Davos oben. Und nun wird der Zauberberg als Hockey-Roman auf dem Eis geschrieben. In Spielen, mindestens so dramatisch und voller Wendungen wie das literarische Vorbild.

Gottéron ist 1980 in die höchste Liga aufgestiegen und anders als Davos, der SCB, Biel, Kloten, Servette, Lausanne, Langnau, Zug, die Lakers, Ambri oder Lugano noch nie abgestiegen. Unabsteigbar. Aber eben auch untitelbar.

DAVOS, SWITZERLAND - DECEMBER 31: Julien Sprunger of HC Fribourg-Gotteron raises the trophy after winning the Spengler Cup Davos final match between Straubing Tigers and Fribourg-Gottéron at Eisstadio ...
Einen Pokal hat Fribourg in Davos schon mal gewonnen.Bild: Getty Images Europe

Kann es sein, dass Gottéron ausgerechnet gegen den Rekordmeister Davos (31 Titel) seinen ersten Titel holt? Ja, das kann sein. Denn Davos hat als Zauberberg eine magische Bedeutung für Gottéron. Hier oben haben die «Untitelbaren» am 31. Dezember 2024 zum ersten Mal einen Pokal gewonnen. Den Spengler Cup. Eine Meisterschaft ist das zwar nicht. Aber ein Pokal ist ein Pokal.

Nun hat Gottéron auch das zweite Finalspiel auswärts auf dem Zauberberg gewonnen. Nach dem 3:2 vom vergangenen Samstag folgte nun am Mittwoch ein 3:2 in einem Drama über fünf Akten. Nach 88:47 Minuten trifft Julien Sprunger in der zweiten Verlängerung, im fünften Drittel zum 3:2.

Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
TV24 Logo 3plus Logo

Zur Dramatik passt, dass zwei Minuten vorher der HCD-Schillerfalter Filip Zadina vor Gottérons Tor zu Boden sinkt, vom Eis und ins Spital zur MRI-Untersuchung geführt werden muss. Lucas Wallmark hat den Tschechen durch einen Stockschlag in die Kniekehle niedergestreckt. Die Schiedsrichter haben nichts gesehen, eine Strafe wird nicht angezeigt. Sie beraten und lassen danach das Spiel fortsetzen. Wallmark kommt mit einer Busse davon, darf in Spiel 4 mittun.

Kanadas Nationaldichter Al Purdy hat einmal Eishockey in einem Gedicht als Mischung aus Ballett und Mord bezeichnet:

«And how do the players feel about it, this combination of ballet and murder?»

Das ist eine literarische Übertreibung. Aber nach diesem Final-Drama verstehen wir, was er meinte: ein Spiel als Mischung aus Schönheit, Eleganz und brutaler Gewalt. Kunst, die an Ballett mahnt, gehört ebenso dazu wie Härte, die zumindest bei einem Dichter Gedanken an «Mord» aufkommen lässt. Da ist der böse Stockschlag von Lucas Wallmark. Ausgerechnet er. Der Schwede hat zuvor in der 48. Minute mit dem 2:2 einen Treffer erzielt, der Gottéron in die Verlängerung rettet. Nicht einfach ein Tor. Anstatt einen Pass in die Mitte zu spielen, wie es Torhüter Sandro Aeschlimann erwartet, zieht er den Puck auf seine Backhand und überlupft den HCD-Goalie. Zauberei auf dem Zauberberg. Aber nicht nur. Gottéron gewinnt diese Partie aus vier Gründen.

Die Highlights des Spiels.Video: YouTube/HC Fribourg-Gottéron

Das Goalieduell

Reto Berra ist besser als Sandro Aeschlimann. Das kann in dieser Serie die Differenz machen. Was heisst besser? Reto Berra ist zehn Zentimeter grösser und 16 Kilo schwerer als Sandro Aeschlimann. Das bedeutet: Gottérons letzter Mann dominiert in dieser enorm intensiven Partie sein Hoheitsgebiet rund ums Tor. Und er ist ein Titan, der allein kraft seiner Postur Pucks abwehren kann. Zwei HCD-Gegentreffer, das 2:2 und das 2:3, hätte er wahrscheinlich allein durch seine Postur abgewehrt. Der Puck wäre an ihm abgeprallt. Sandro Aeschlimann ist womöglich ein paar entscheidende Zentimeter zu klein. Er war noch nie Meister.

Mission 1. Titel

Gottéron ist auf einer Mission. Das ist in diesem Drama deutlich zu spüren. In einer der besten, intensivsten und dramatischsten Partien der Gegenwart eine Spur leidenschaftlicher, kompromissloser und böser als Davos. Dazu passen die ungeahndeten Stockschläge von Yannick Rathgeb und Lucas Wallmark gegen Philip Zadina.

Aber dazu passt eben auch, dass die Ikone Julien Sprunger den Siegestreffer erzielt. Am 4. Januar ist er 40 Jahre alt geworden. Mehr als 1000 Spiele nur für Gottéron. In seiner letzten Saison ist er auf dem Ritt ins Abendrot der Legende. Wer nicht an Magie, sondern an Statistik glaubt: Wahrscheinlich ist es logisch, dass er auf dem Weg zum Siegestreffer einen Zweikampf gegen HCD-Captain Matej Stransky gewonnen hat. Die Arbeitszeiten der beiden in dieser Partie: Matej Stransky 25:43 Minuten, Julien Sprunger 17:08 Minuten. Also folgerichtig, dass er die frischeren Beine hatte. So einfach kann Hockey auch sein.

Julien Sprunger (HCFG) mit Christoph Bertschy und Maximilian Streule, von links, nach seinem 3-2 im dritten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Got ...
Julien Sprunger (l.) erzielte das Siegtor in der Verlängerung.Bild: keystone

Trainer Rönnberg

Trainer Roger Rönnberg ist es gelungen, den Geist der «Copains» – also die wilde Kampfkraft und Leidenschaft auf und neben dem Eis aus der «Gründerzeit» des Aufstieges – mit dem taktischen Verstand, der Seriosität und der Geduld des modernen Hockeys zu verbinden.

Die Würfel der Hockeygötter

Die Hockeygötter haben schon wieder gewürfelt. Auch diese dritte Partie war so ausgeglichen, dass jeder Ausgang möglich war. Hätte der HCD gewonnen, so wäre es dem Chronisten sicherlich gelungen, in einer tiefgründigen Analyse zu erklären, warum ein HCD-Sieg zwingend und logisch ist. So wie die flinken Affen in den Bäumen in jeder Situation einen Ast finden, an dem sie sich festhalten können.

Torhueter Reto Berra (HCFG). Julien Sprunger (HCFG) und PostFinance Top Scorer Matej Stransky (HCD), von links, im dritten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und  ...
In einer sehr ausgeglichenen Partie hätte auch der HC Davos gewinnen können.Bild: keystone

Noch nie stand HC Fribourg-Gottéron seinem ersten Titel so greifbar nahe. Zwei Heimsiege noch – ein Wimpernschlag zwischen Sehnsucht und Geschichte. Und doch wächst mit dieser Nähe eine Erwartung, die schon fast ins Masslose kippt. Eine ganze Stadt bebt in fieberhafter Erwartung.

Wie soll man als Spieler inmitten dieses kollektiven Taumels die kühle Präzision bewahren? Wie den Lärm der Hoffnung ausblenden, wenn er durch jede Ritze dringt? Wie in einer vibrierenden Stadt in den Tunnel der absoluten Konzentration einfahren – und ihn unbeirrt bis ans Ende durchschreiten? Es ist die wohl verrückteste Erwartungshaltung, die Spieler in unserem Hockey je aushalten mussten.

Es ist, wie es ist. Am Ende reduziert sich alles auf einen Spieler. Reto Berra. Er hat das Duell in Davos oben am Mittwoch gegen Sandro Aeschlimann mit 95,12 Prozent gegen 88,89 Prozent gewonnen. Und wie Julien Sprunger ist auch er auf einer Mission. Es ist seine letzte Saison für Gottéron, seine letzte Chance, nach 2009 (mit Davos) noch einmal Meister zu werden. Er wird im Sommer nach Kloten zügeln. Sein Nachfolger bei Gottéron heisst Ludovic Waeber, der von Kloten heim nach Fribourg kommt. Er wird nicht in Reto Berras Schuhen stehen können.

Torhueter Reto Berra (HCFG) im dritten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Mittwoch, 22. April 2026, in der zondacrypto-Arena i ...
Auch für Reto Berra ist es die letzte Chance, mit Fribourg den Titel zu holen.Bild: keystone

Entweder wird Gottéron nun nach diesen zwei Siegen auf dem Zauberberg in Davos zum ersten Mal Meister mit Reto Berra im Tor. Oder wohl nie mehr. Punkt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 13
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Fall Patrick Fischer: Jetzt gerät Lars Weibel in den Fokus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
70 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
James R
23.04.2026 11:45registriert Februar 2014
Es ist wie es in jedem Playoffspiel ist. Wenn der Goalie unter 90% bleibt, geht das Spiel verloren. Kann sein, dass sich diese Welte im nächsten Spiel wieder umkehren. Und dann würde das Momentum auch wieder kehren.
403
Melden
Zum Kommentar
avatar
Geff Joldblum
23.04.2026 11:22registriert August 2019
Nein, nicht nie, das würde ich nicht unterschreiben. Aber ja, es sind noch 2 Siege, gopf, es muss klappen! Allez Gotteron. 🐉
6031
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sniper6776
23.04.2026 13:19registriert April 2026
Sprunger. 17min hockey auf top Niveau ist hard work fuer einen 40 jaehrigen fluegelspieler. Chapeau!
263
Melden
Zum Kommentar
70
Wie SRF Pascal Schmitz dem Volk zum Frass vorwirft – und er über seine Eitelkeit stolpert
Nach der Entlassung von Patrick Fischer gerät der SRF-Journalist Pascal Schmitz selber ins Visier. Der Fall offenbart, wie der TV-Sender die Kontrolle über die eigene Geschichte verlor.
Die Posse um den entlassenen Schweizer Eishockey-Nationaltrainer kennt nur Verlierer: Patrick Fischer, der einen Monat vor der Heim-WM seinen Job verlor, weil er vor vier Jahren ein Corona-Impfzertifikat gefälscht hatte, um an die Olympischen Spiele 2022 zu reisen. Fischer wurde später wegen Urkundenfälschung verurteilt und musste 40'000 Franken Busse bezahlen.
Zur Story